Die Geschichte der E-Books geht länger zurück, als manche von Ihnen sich das vielleicht vorstellen konnten. Die meisten von uns verbinden mit dem Begriff E-Books vor allem auch E-Book-Reader, also spezielle Lesegeräte. Dass die Geschichte tiefer geht sehen wir daran, wenn wir uns die Definition des Begriffs E-Book im Gabler Wirtschaftslexikon anschauen:
Ein E-Book ist ein elektronisches Buch. Es wird mit einem Handy, Smartphone, Reader, Tablet oder einem anderen elektronischen Gerät, das mit einem Display ausgestattet ist, gelesen und betrachtet. […]
Laut dieser Definition ist also jedes Buch, dass Sie als PDF-Datei auf Ihrem PC lesen, ein E-Book. Und Computer und PDF-Dateien gibt es schon deutlich länger als E-Book-Reader. Aber die Geschichte der E-Books startet bereits vor dem PDF-Standard.

Die folgende Tabelle gibt einen kurzen Überblick über die Entwicklung der E-Books. Weiter unten gehe ich dann detaillierter auf die einzelnen Punkte ein.
| Zeitraum | Entwicklung | Erklärung |
|---|---|---|
| 1971 | Gründung Project Gutenberg | Michael S. Hart von der University of Illinois tippt die Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten ab und gründet Project Gutenberg. |
| 1980er und 90er-Jahre | Verbreitung über Datenträger | Erste E-Books verbreiten sich über Disketten und CD-ROMs. Mona Lisa Overdrive von William Gibson erschien auf Diskette und kann als erstes kommerzielles E-Book angesehen werden. |
| 1990er | Erste Lesegeräte für E-Books | Mit dem Sony Data Discman (1990), dem Apple Newton (1993) und dem Rocket eBook von NuvoMedia (1998) erscheinen die ersten speziellen Lesegräte für E-Books. Diese sind kommerziell noch nicht erfolgreich. |
| 2004 | Erster kommerziell erfolgreicher E-Book-Reader und E-Ink-Technologie | Die Entwicklung der E-Ink-Technologie (elektronische Tinte) ist ein Meilenstein bei der Weiterentwicklung von Lesegeräten. Der Sony Librié kommt 2004 auf den Markt, nutzt E-Ink-Bildschirme und ist der erste erfolgreiche E-Book-Reader. |
| 2007 | Amazon steigt in den E-Book-Markt ein | Amazon entwickelt das System Kindle, das sich aus Lesegeräten und E-Book-Shop zusammensetzt. Der Kauf von E-Books wird dadurch vereinfacht. |
| Um das Jahr 2010 herum | Smartphones und Tablets setzen sich durch | Smartphones und Tablets setzen sich immer mehr durch. Durch diese Geräte gibt es mehr Möglichkeiten, E-Books zu lesen. |
| 2013 | Gründung der Tolino-Allianz | Buchhändler wie Thalia oder Hugendubel gründen mit Tolino ein Konkurrenzsystem zu Kindle. |
Project Gutenberg
Wir können den 1. Dezember 1971 als den Start der E-Books ansehen, auch wenn damals dieser Begriff vermutlich noch nicht verwendet wurde. An diesem Tag gründete Michael S. Hart das Project Gutenberg. Der Name Gutenberg bezieht sich natürlich auf Johannes Gutenberg, den Erfinder des Buchdrucks.
Hart bekam 1971 am Jahrestag der Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten ein Exemplar ebendieser Unabhängigkeitserklärung geschenkt. Er kam auf die Idee, die Unabhängigkeitserklärung auf seinem Computer abzutippen und begann noch am selben Abend damit. Während Bücher in digitaler Form für uns heute selbstverständlich sind, war das damals schon eine fast revolutionäre Idee.
Harts Ziel war es, Literatur in digitaler Form frei zugänglich zu machen. Er gründete das heute immer noch bestehende Project Gutenberg und tippte viele weitere Bücher ab. Hart teilte diese Bücher zunächst über das Intranet der University of Illinois, wo er als Hochschullehrer angestellt war.
Im Laufe der Jahre und Jahrzehnte entwickelte sich Project Gutenberg zu einer riesigen, kostenlosen Bibliothek für Bücher in digitaler Form. Bücher können dann kostenlos angeboten werden, wenn das Urheberrecht des Autors erloschen ist. Heute werden Bücher in aller Regel nicht mehr per Hand abgetippt, sondern es kommen Buchscanner und andere Software zum Einsatz.
Verbreitung über Disketten und CD-Roms
Michael S. Hart hatte den Stein ins Rollen gebracht. Nun mussten sich E-Books natürlich auch auf andere Weise verbreiten als nur innerhalb der Rechner der University of Illinois.
Als erstes kommerziell verbreitetes E-Book kann Mona Lisa Overdrive von William Gibson angesehen werden. Dabei handelt es sich um den dritten Teil der Neuromancer-Trilogie. Mona Lisa Overdrive wurde 1988 veröffentlicht, und das besondere war, dass Leser das Buch auch auf Diskette erwerben konnten (die ganz Alten unter uns erinnern sich noch an Disketten).
Etwas später erschienen manche E-Books auch auf CD-ROM. Beispiele sind Programmierbücher, denen oft CD-ROMs beilagen. Auf diesen Datenträgern waren dann nicht nur Programmierbeispiele enthalten, sondern auch Teile des Buchs.
Bis hier bewegen wir uns aber immer noch in einer sehr breiten Definition des Begriffs E-Book. Die ersten E-Books wurden alle auf dem Desktop-PC gelesen, da dies das einzige elektronische Gerät war, welches für diesen Zweck zur Verfügung stand. Schon Anfang der 90er-Jahre aber kamen die ersten E-Book-Reader auf den Markt.
Erste speziell für E-Books erstellte Geräte scheitern
Im Jahr 1990 erschien der Data Discman von Sony in Japan. Ein Jahr später war das Gerät auch in den USA im Handel erhältlich. Weitere Geräte mit E-Book-Funktion waren der Newton von Apple (1993) sowie Rocket eBook von NuvoMedia (1998).

Der Data Discman von Sony (hier eine spätere Version) kann als erster E-Book-Reader angesehen werden | Quelle: Wikimedia Commons
Diese Geräte waren die ersten, welche an die heutigen E-Book-Reader erinnern. Wie so oft gab es aber noch einige Anlaufschwierigkeiten. Diese erste Generation der E-Book-Reader war ziemlich klobig und schwer, hatte wenig Speicherplatz, schlechte Displays und der Preis war auch nicht ohne.
Es ist nicht großartig verwunderlich, dass sich diese Geräte nicht durchsetzten. Sie waren erstens zu teuer und zweitens viel zu unhandlich und schwer. Ein Vorteil von E-Books ist, dass sie erstens günstig sind und sie zweitens keinen Platz wegnehmen. Das war bei den Geräten der ersten Generation beides nicht der Fall.
Trotzdem war die Entwicklung dieser ersten E-Book-Reader ein wichtiger Meilenstein. Durch sie festigte sich der Gedanke, dass spezielle Geräte zum Lesen von E-Books möglich sind und man sich nicht nur auf normale Computer verlassen muss. Nur etwas Weiterentwicklung war noch nötig.
Erste kommerziell erfolgreiche E-Book-Reader und E-Ink
Diese Weiterentwicklung kam im neuen Jahrtausend. Der Sony Librié war 2004 der erste erfolgreiche E-Book-Reader. Zum Einen hatte dieses Gerät eine längere Akkulaufzeit, mehr Speicherplatz und eine bessere Form.

Sony entwickelte den ersten Reader mit E-Ink | Quelle: Wikimedia Commons
Die wahre Sensation war aber, dass Sony hier erstmals die E-Ink-Technologie einbaute. Diese Technologie hat einige Vorteile gegenüber herkömmlichen Displays. Das Lesen erinnert mehr an des Lesen eines gedruckten Buchs als an einen elektronischen Bildschirm. Weitere Vorteile und Besonderheiten habe ich in dem im ersten Satz dieses Absatzes verlinkten Artikel beschrieben.
Die Entwicklung der E-Ink-Technologie und der Erfolg der ersten Lesegeräte von Sony machten den Weg frei für den Siegeszug der E-Book-Reader.
Kindle erobert den E-Book-Markt
Im Jahr 2007 stieg Amazon mit Kindle in den E-Book-Markt ein. Der erste Kindle erschien im November 2007 in den USA. Er kostete damals $399. In Deutschland und vielen anderen Ländern war Kindle ab Oktober 2009 erhältlich.
Amazons Markteinstieg ist aber nicht nur deshalb ein Meilenstein in der Verbreitung von E-Books, weil der Konzern einen großen Namen hat. Auch der Kauf wurde vereinfacht. Mit einem Kindle konnten Nutzer nun gekaufte E-Books sofort auf dem Kindle lesen. Auch bot der E-Book-Shop von Kindle eine deutlich größere Auswahl an als die Vorgänger.
Eine weitere durch Kindle eingeführte Neuerung war die Einführung von Kindle Unlimited im Jahr 2014. Damit wurde der Streaming-Gedanke (siehe beispielsweise Netflix) auch auf E-Books übertragen.
Verbreitung von Smartphones und Tablets
Die Einführung des ersten iPhones im Jahr 2007 sowie des ersten iPads im Jahr 2010 hatte auch Einfluss auf E-Books. Smartphones und Tablets wurden nun immer verbreiteter.
Dies hat daher Einfluss auf E-Books, da mehr Nutzer nun Smartphone oder Tablets zum Lesen nutzen. Dies kann Vorteile haben, da man sich Geld für ein weiteres Gerät spart und der farbige Bildschirm bei bestimmten Arten von E-Books geeigneter ist.
Gründung der Tolino-Allianz
Im deutschsprachigen Raum kam es 2013 zu einem weiteren wichtigen Schritt in der Verbreitung des E-Books. Nachdem E-Books immer beliebter wurden und immer mehr Menschen diese beim Marktführer Kindle (Amazon) kauften, reagierte der Buchhandel.
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Mehrere Buchhändler wie Thalia, Hugendubel und (das mittlerweile nicht mehr existierende) Weltbild schlossen sich zur sogenannten Tolino-Allianz zusammen. Sie bauten damit ein Konkurrenzsystem zu Kindle auf.
Tolino ist heute neben Kindle das bekannteste System für E-Book-Reader und E-Book-Shops. Wer einen Tolino hat, kann E-Books bei allen Teilnehmern der Allianz erwerben. Tolino hat, wie auch Kindle, günstige aber trotzdem hochwertige E-Book-Reader im Angebot.
Was bringt die Zukunft?
In den letzten Jahrzehnten hat es also einige Neuerungen und Weiterentwicklungen gegeben, die wir heute als Standard ansehen (beispielsweise E-Ink). Die Weiterentwicklungen werden natürlich hier nicht aufhören. Nach dieser Übersicht über die Geschichte der E-Books können wir uns daher auch einen kleinen Ausblick erlauben.
Das gedruckte Buch wird meiner Meinung nach nie verschwinden, was ich auch gut finde. Das E-Book ist aber auf jeden Fall hier, um zu bleiben. Eine aktuelle Neuerung ist zum Beispiel ein Farbdisplay, das auf E-Ink-Technologie basiert. Dieses könnte sich in Zukunft noch mehr durchsetzen. Dadurch könnten auch die Unterschiede zwischen E-Reader und Tablet immer mehr verschwinden.
Ein weiterer Begriff, den man häufiger hört, ist Enhanced E-Book oder Augmented Reality E-Book (augmented = erweitert). Hierbei wird das klassische Lesen mit Multimedia-Inhalten wie Videos verknüpft. Auch der aktuelle Siegeszug der Künstlichen Intelligenz (KI) dürfte einen Einfluss auf die zukünftige Entwicklung haben.
Die Geschichte der E-Books ist also noch lange nicht abgeschlossen und es bleibt auch in Zukunft spannend.













